Geschichte fand auch in unserer Nachbarschaft statt

Klasse 9c der Hugo-Höfler-Realschule Breisach besuchte das Blaue Haus

Einen ganz besonderen Unterrichtsvormittag konnte kürzlich die Klasse 9c der Hugo-Höfler-Realschule Breisach erleben. Zusammen mit ihren begleitenden Lehrkräften Monika Sennrich und Oliver Staib wurden die Schülerinnen und Schüler von Valeska Wilczek und Andreas Schweikart vom Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus Breisach e.V. begrüßt.

Um überhaupt erst einmal eine Vorstellung davon zu bekommen, wo früher Juden in Breisach gewohnt und gearbeitet haben, zeigte Frau Wilczek zunächst einige Bilder, auf denen man gut sehen konnte, wo sich jüdisches Leben damals abgespielt hatte. Denn immerhin war Breisach im 18. Jahrhundert nach Mannheim die zweitgrößte jüdische Gemeinde Badens.

Anschließend machte sich die Klasse auf den Weg zum Synagogenplatz und zum jüdischen Friedhof. Dieser beeindruckte die Schülerinnen und Schüler auf eine ganz besondere Weise: Denn im Vergleich zu einem christlichen Friedhof wirkte der jüdische Friedhof sehr schlicht, ja fast schon vernachlässigt. Außer Grabsteinen und Wiese war hier nämlich nichts zu sehen. „Aber das ist bei den Juden so“, erklärte Frau Wilczek auf Nachfrage der Jugendlichen. „Denn im Judentum besucht man die Gräber der Verstorbenen eher selten, um die Totenruhe nicht zu stören.“ Frau Wilczek berichtete auch von der Schändung des Friedhofes. Die zerbrochenen Grabsteine sind heute in zwei Rotunden zusammengefasst.

Wieder zurück im Blauen Haus war nun ein Rundgang angesagt. Hier bekamen die Schülerinnen und Schüler alle möglichen Materialien zu sehen, die entweder noch zur Originaleinrichtung der letzten Bewohner gehört hatten oder dem Blauen Haus durch Nachfahren von Breisacher Juden zur Verfügung gestellt worden waren. Dazu zählte ein Holzschlitten von Ralph Eisemann, Sohn des letzten Kantors, der im Blauen Haus gewohnt hatte, genauso wie verschiedene alte Fotos, die ehemalige jüdische Familien Breisachs in ganz unterschiedlichen Situationen zeigten.

Um die vielen Informationen des Vormittags noch einmal etwas vertiefen zu können, wurde der Klasse zum Schluss noch der Film „Heinrich Rosenberg. Freiburg-Gurs-Auschwitz“ gezeigt. Dieser war 2013 Ergebnis der Schülerarbeit von Elena Muggenthaler. Und so hatten die Schülerinnen und Schüler einen sehr informativen Vormittag mit viel Lokalgeschichte erlebt. Die große Konzentration und Aufmerksamkeit sowie das interessierte Nachfragen der Jugendlichen machten deutlich, wie betroffen das Thema auch heute noch macht.