Besser vor Ort als im Klassenzimmer

Die Klasse 10c der Hugo-Höfler-Realschule Breisach führte eine Geschichtsexkursion zum NS-Widerstand durch.

 Die Klasse 10C zu Beginn ihrer Stadttour in Freiburg | Bild: privat

Wie kann es heutzutage gelingen, Schülerinnen und Schülern die Geschichte des Nationalsozialismus lebendig zu vermitteln? Angesichts der immer weniger werdenden Zeitzeugen und den fast unerschöpflichen Inhalten, die das Internet bietet, ein schwieriges Unterfangen. Doch in einer Zeit, in der Extremismus und Antisemitismus wieder dauernd in den Schlagzeilen sind, ist eine angemessene Beschäftigung mit dem Thema wichtiger denn je.

Eine Möglichkeit, wie man sich anders als sonst im Geschichtsunterricht mit dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Freiburg auseinandersetzen kann, lernte kürzlich die Klasse 10c der Hugo-Höfler-Realschule Breisach kennen. Mit Hilfe der App "Futur History" und einer darin abgespeicherten Stadttour konnten die Jugendlichen sieben zentrale Punkte des Freiburger Widerstands gegen das NS-Regime vor Ort erkunden. Das Konzept ist so aufgebaut, dass die Schülerinnen und Schüler an den jeweiligen Widerstandspunkten verschiedene Aufgaben lösen müssen. Dies gelingt mit Hilfe von Audio- und Videodateien, die in der Tour abgelegt sind. Die Szenen und Gespräche, die den Schülerinnen und Schülern hier präsentiert werden, sind freilich fiktiv, machen den Ort, an dem die Jugendlichen während des Anschauens der Dateien stehen, aber lebendig und anschaulich. Obwohl es also beispielsweise nicht Gertrud Luckner selber ist, die den Jugendlichen von ihrer Hilfe für Juden erzählt, bekommen die jungen Leute einen sehr genauen Eindruck davon, was sich am Ort, an dem sie gerade stehen, abgespielt hat.

Entwickelt wurde die Tour von Alicia Keitz. Die Lehramtsstudentin ging im Rahmen ihrer Masterarbeit der Frage nach, wie man das Gedenken an die NS-Zeit möglichst interessant jungen Menschen näherbringen kann. Ein zentraler Punkt, der dabei erforscht werden sollte, betraf die Frage, ob es einen Unterschied macht, die Thematik im Klassenzimmer zu behandeln oder sie vor Ort zu erkunden. Im Rahmen einer Nachbereitungsstunde äußerten die Schülerinnen und Schüler, die neben Alicia Keitz von ihren Klassen- und Geschichtslehrern Frank Belle und Oliver Staib begleitet wurden, viel Sympathie für den hier eingeschlagenen Weg. Es sei auf jeden Fall besser, geschichtliche Ereignisse vor Ort zu erkunden, als sie nur im Klassenzimmer zu besprechen. Außerdem biete sich anhand der Tour die Chance, Lokalgeschichte zu behandeln. Und schließlich, so die Schülerinnen und Schüler, bleibe eine Exkursion viel besser im Gedächtnis als eine Schulstunde im Klassenraum. Wenn man dann noch bedenkt, dass man zum Lernen digitale Endgeräte verwendet, wird klar, dass dies genau die Art von Lernen ist, die die Jugendlichen am besten anspricht.

Und schließlich löst eine solche Tour mit ihrer eigenen Art, Inhalte an Jugendliche weiterzugeben, zumindest zum Teil das Problem, wie eine Erinnerungskultur in Zukunft aussehen kann, die eben nicht mehr auf Zeitzeugen setzen kann, die den Nationalsozialismus selber erlebt haben.